Cherophobie - Die Angst vor dem Glücklichsein

"Alle Menschen wollen glücklich sein" schrieb einst Aristoteles. Was für den Großteil der Menschheit stimmen mag, können einige Cherophobiker nicht behaupten. Als Cherophobie bezeichnet die Fachwelt die Angst vor dem Glücklichsein und die Furcht vor Heiterkeit. Betroffene vermeiden Gelegenheiten der Freude, Momente des Vergnügens, aber auch den Umgang mit fröhlichen Menschen. Schwappt die Welle der Euphorie doch über, befürchten sie ihr Glück bald schon wieder zu verlieren.

Kann es ein "Zuviel" an Glück geben? Cherophobiker behaupten wahrscheinlich: Ja. Sie neigen dazu, in Glücksgefühlen ein Warnzeichen zu erkennen. Demnach sei zu viel Glück gewissermaßen ein Vorbote für kommendes Unheil. Gefühle der Freude werden präventiv unterdrückt und der Fokus auf Unzufriedenheit und Misserfolg gelegt. Manche Betroffene fühlen sich tatsächlich unwohl, wenn sie frei von Sorgen sind. Sie kennen und brauchen das Gefühl der Unruhe und ziehen sich bei aufkommender Freude in die vertraute Verzweiflung zurück. Die Cherophobie steht in einigen Fällen im Zusammenhang mit einer Depression, die Neigung sich in freudlose Stimmung zu bringen, betrifft jedoch auch zahlreiche gesunde Menschen. Aberglaube, übernommene Redensarten wie "den Tag nicht vor dem Abend loben" oder auch gewohnte Muster beeinflussen unser tägliches Verhalten. Letztere sabotieren uns manchmal so stark, dass das Glück von heute weniger zu wiegen scheint als das Unglück von morgen. Oder schlimmer noch: Wir antizipieren Katastrophen und suhlen uns in der erwarteten Niedergeschlagenheit, sodass die Gegenwart keine Chance hat.

 

Wissenschaftler/innen gehen davon aus, dass die Fähigkeit zum Glücklichsein in etwa zu 50 Prozent angeboren ist. Abgesehen von krankhaften Ausprägungen der Furcht, die ein glückliches Leben verhindern und professioneller Unterstützung bedürfen, halten Sie also einen wesentlichen Teil Ihres Glücksempfindens in Ihren eigenen Händen. Erkennen Sie Saboteure des Glücks, decken Sie Muster auf und geben Sie sich nicht mit weniger zufrieden. Freude in schwierigen Situationen empfinden zu können ist eine herausragende Eigenschaft. Sich der glücklichen Zeiten durch destruktive Muster berauben zu lassen, ein Sieg der Gewohnheit. Nur Mut. Das Erkennen hinderlicher Muster ermöglicht es Ihnen, Ihr Glücklichsein nicht den Genen zu überlassen.

 

Herzlichst, Tamara Nauschnegg

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Evelin (Freitag, 28 April 2017 14:08)

    Danke für diesen Artikel....