Wenn Einsteins Rückschläge motivieren

Es gibt sie. Die ungeliebten Schulfächer. Mathematik, Physik oder Chemie begeistern nicht jede/n Schüler/in. Und doch müssen die Fächer bewältigt werden. Die gute Nachricht vorweg: Es gibt zahlreiche Strategien, wie Kinder auch für die unliebsamen Themen begeistert werden können. Eine kreative Motivationsstrategie hat die Wissenschaft unlängst identifiziert: Das Scheitern berühmter Wissenschaft-ler/innen kann sich positiv auf die schulische Leistung in wissenschaftlichen Fächern auswirken. 

Der amerikanische Bildungswissenschaftler Xiaodong Lin-Siegler von der Columbia-Universität in New York führte hierzu eine umfangreiche Studie mit 402 Neunt- und Zehntklässlern/innen durch. Sämtliche Teilnehmer/innen wurden drei Gruppen zugeteilt. Entweder hatten sie Geschichten über die Schwierigkeiten berühmter Persönlichkeiten bei intellektuellen Herausforderungen zu lesen (z.B. dass Albert Einsteins Theorien und Argumente permanent angefeindet wurden und er diese immer wieder überarbeiten musste) oder die Schüler/innen bekamen Texte zu den persönlichen Herausforderungen vorgelegt (z.B. wuchs Marie Curie in einer Zeit auf, in der es für Mädchen nicht üblich war, zur Schule zu gehen). Eine Kontrollgruppe musste sich schließlich mit Texten auseinandersetzen, die nur herausragende Leistungen der berühmten Persönlichkeiten dokumentierten. Die Geschichten der ersten beiden Gruppen berichteten also von den Schwierigkeiten, Rückschlägen und Niederlagen der Wissenschaftler/in, die schließlich doch zum Erfolg führten, wohingegen die Kontrollgruppe lediglich über die außergewöhnlichen Errungenschaften informiert wurde.

 

Um Leistungs- und Einstellungsveränderungen erheben zu können, mussten die Schüler/innen zu Beginn der Studie eine umfangreiche Testung absolvieren, die nach sechs Wochen wiederholt wurde. Es stellte sich heraus, dass sich die Leistung jener Kinder in wissenschaftlichen Fächern verbesserte, die mithilfe der Geschichten gelernt hatten, dass Scheitern Teil des Erfolges ist. Genies werden nicht immer als solche geboren. Und selbst wenn doch, haben auch sie mit den Widrigkeiten des Leben zu kämpfen.

 

Die größte Leistungssteigerung konnten übrigens jene Kinder erzielen, die zuvor die schlechtesten Noten hatten.* Die Annahme, man müsse ein besonderes Talent für naturwissenschaftliche Fächer haben, stand ihrer Motivation im Wege. Oder anders gesagt, der Glaube, nicht gut genug für die Wissenschaft zu sein, nahm die Motivation besser zu werden.

 

 

* Lin-Siegler, X., Ahn, J.N., Chen, J., Fang, F.-F.A., Luna-Lucero, M.: Even Einstein Struggled: Effects of Learning About Great Scientists’ Struggles on High School Students’ Motivation to Learn Science. IN: Journal of Educational Psychology, 108, 3, 2016, 314-328.

 


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