Ich bin dann mal kreativ - Wie Kreativität der Psyche gut tut

Wir überlassen nur selten unserer Kreativität das Steuerrad. Meist sind unsere Tage von rationalen Überlegungen bestimmt und durch Termine getaktet. Wenn dann doch Platz für seelische Entspannung ist, scheint der Fernsehapparat unser bester Freund zu sein. Doch es gibt viele weitere Aktivitäten, die Stress und Sorgen vergessen lassen. Unserer Psyche besonders zuträglich ist die tägliche Extraportion Kreativität, wie eine Studie nun zeigt.

Aus der bisherigen psychologischen Forschung weiß man, dass Kreativität und psychische Gesundheit zusammenhängen. Allerdings konzentrierte man sich in Studien vorwiegend darauf, die Auswirkungen von Emotionen auf die Kreativität zu erforschen. Ein Team um Dr. Tamlin Connor von der Universität Otago untersuchte nun, wie sich umgekehrt die Kreativität auf unser emotionales Wohlbefinden auswirkt. Zu diesem Zweck wurden 658 Personen gebeten, über mehr als 13 Tage hinweg Tagebuch zu führen und Auskunft über ihre Erfahrungen und Stimmungen zu geben.

 

Die Forscher/innen erkannten - nach Analyse der Tagebücher - ein Muster in der Veränderung der Stimmungslage. So waren die Probanden/innen an den Tagen, die einer kreativen Aktivität folgten, deutlich glücklicher und begeisterter als in den übrigen Tagen - ja sie blühten regelrecht auf. Umgekehrt führten Tage, die von Gefühlen wie Glück, Heiterkeit, positive Erregung und Begeisterung geprägt waren, am darauffolgenden Tag zu keiner gesteigerten Kreativität. Wohl aber können positive Gefühle die Kreativität desselben Tages steigern.

 

Im Hinblick auf die Auswirkung von Kreativität auf das Wohlbefinden beobachtete man eine regelrechte Aufwärtsspirale. Nach kreativer Betätigung steigerten sich die positiven Emotionen des darauffolgenden Tages deutlich. Anders gesagt: Wenn wir kreativ sind, führt das zu einer Zunahme unseres Wohlbefindens am darauffolgenden Tag und dieses Wohlbefinden wiederum steigert die Kreativität desselben Tages. Es entsteht damit eine Aufwärtsspirale des Wohlbefindens, die sich selbst antreibt. Kreative Tätigkeiten waren übrigens zum Beispiel Musizieren, Stricken oder Häkeln, kreatives Schreiben, Rezepte kreieren, Malen sowie graphisches und digitales Design.*

 

Fazit: Sie müssen nicht unbedingt einen kreativen Job ausüben, um glücklich zu sein. Jedoch hilft bereits eine Extraportion Kreativität pro Tag, um das psychische Wohlergehen zu steigern und diese lässt sich mit Sicherheit in Ihren Alltag integrieren. Probieren Sie Neues aus, profitieren Sie von Ihren Erlebnissen und bringen Sie über die Regelmäßigkeit Ihre persönliche Glücksspirale zum Aufwärtsdrehen. Manchmal braucht es nicht mehr als Stricknadeln, ein Blatt Papier oder Stifte, um sich Gutes zu tun. Und wie immer gilt: Finden Sie heraus, was Ihnen gut tut und tun Sie es so oft wie möglich.

 

In diesem Sinne, herzlichst

 

Tamara Nauschnegg

 

 

* Conner, T.S., DeYoung, C.G., Silvia, P.J.: Everyday creative activity as a path to flourishing. IN: The Journal of Positive Psychology, 11, 2016, 1-9.

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Erle (Donnerstag, 21 September 2017 12:08)

    Einleuchtend - Ich mache Handarbeit als Beruf und ich stimme ihnen vollkommen zu... leider wird mein Bereich manchmal als kreativ abgetan.. aber wenn das nun mal ich bin.........

  • #2

    Tamara Nauschnegg (Freitag, 22 September 2017 09:07)

    Hallo Erle! Schön, dass Sie einen kreativen Job haben. Und Kritik - oder wie Sie es formulieren "der Bereich wir abgetan" - kommt mit Sicherheit vor. Wenn Sie umgekehrt einen sehr zahlenlastigen Job hätten, würde es auch einige Menschen geben, die ihn als "zu trocken" abtun. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Es ist Ihr Job, Ihr Weg und wenn er genau zu Ihnen passt, ist das etwas, worauf Sie stolz sein können. Toi, toi, toi weiterhin und liebe Grüße, Tamara Nauschnegg