Zu viel Stress?  Zu viel Frust?  Helfen Sie anderen!

Medial wird gerne von einer Ellbogen-Gesellschaft gesprochen. Von Menschen, die Erfolg und Einfluss nur erlangen, indem sie andere verdrängen. Der Platz an der Sonne scheint hart umkämpft zu sein. Doch permanente Kampfbereitschaft ermüdet. Stress, Wut, Ängste und Frustration nehmen überhand. Und die Lösung? Drehen Sie den Spieß um. Sie helfen sich, indem Sie anderen helfen.

Zahlreiche Wissenschaftler/innen konnten in den letzten Jahren belegen, dass sich Hilfsbereitschaft lohnt. Insbesondere langfristig stärkt es eine Gruppe, wenn gegenseitig füreinander eingetreten wird. Doch Altruismus, also die uneigennützige Unterstützung anderer, hat auch kurzfristige Vorteile. Und zwar vermag er akuten Stress zu reduzieren und unser Wohlbefinden zu steigern, wie Forscher/innen der Yale University herausfanden.

 

Grundsätzlich erfordert Hilfsbereitschaft ein hohes Maß an Empathie, sie liegt aber auch in unseren Genen. Wie, wem und wie oft geholfen wird ist dennoch eine individuelle Entscheidung. In zahlreichen Studien zeigte sich, dass vorwiegend Menschen in guter Stimmung ihren Mitmenschen helfen. Anderen vom eigenen Glück etwas abgeben zu können erscheint naheliegend. Dass es sich lohnt auch in stressreichen Zeiten unseren Nächsten zu helfen, ist wahrscheinlich erst einmal abwegig. Brauchen wir doch zur Lösung eigener Probleme unsere ganze Kraft. Doch andere bedingungslos zu unterstützen kann gewinnbringend für beide Seiten sein. In oben erwähnter Studie der Yale University untersuchte man über 14 Tage hinweg den Einfluss von Altruismus bei Probanden/innen zwischen 18 und 44 Jahren. Gemessen wurden neben der Anzahl und Art des hilfsbereiten Verhaltens auch Stressparameter, die emotionale Verfassung, Stimmung und mentale Gesundheit.

 

Grundsätzlich zeigte sich, dass sich das tägliche Wohlbefinden der Probanden/innen erhöhte, wenn sie anderen geholfen haben. Außerdem beeinflusste das hilfsbereite Verhalten auch ihre Reaktionen auf Stress. Menschen mit geringer Hilfsbereitschaft reagierten auf ausgeprägten Stress mit wenig positiven Emotionen und vermehrt negativen Reaktionen. Umgekehrt verhielt es sich bei Probanden/innen mit hoher Hilfsbereitschaft. Stress wirkte sich dabei nicht nachteilig auf die positiven Emotionen und die psychische Verfassung aus. Außerdem erhöhte sich das Ausmaß der negativen Emotionen nur geringfügig.* Mit anderen Worten: Hilfsbereitschaft scheint die negativen Konsequenzen täglicher Belastungen abzuschwächen. Anderen zu helfen hilft uns gewissermaßen selbst. Abgesehen von jenen Beziehungen, die durch einseitige Hilfestellungen in eine Schieflage geraten, profitieren also beide Seiten.

 

In diesem Sinne, viel Freude beim Helfen!

 

Herzlichst, Tamara Nauschnegg

 

 

*Raposa, E.B., Laws, H.B., Ansell, E.B.: Prosocial Behavior Mitigates the Negative Effects of Stress in Everyday Life. IN: Clinical Psychological Science, 4(4), 2016, 691-698.

 

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