Urlaubsfotos machen glücklich

Sie reisen gerne? Wunderbar. Und Sie fotografieren gerne? Umso besser. Was die leidenschaftlichen Fotografen/innen unter Ihnen bestimmt schon geahnt haben, ist nun wissenschaftlich belegt: Urlaubsfotos machen uns glücklich. Zu diesem Ergebnis kam ein amerikanisches Forscherteam, das uns gleichzeitig erklärt, wie uns selbst das Aufnehmen gedanklicher Fotos guttut.

 

In neun umfangreichen Studien wurde untersucht, ob Fotos unsere kostbaren Momente zerstören oder konservieren. Und die Antwort war eindeutig: Urlaubsfotos tun uns gut. Vom Ausmaß der positiven Effekte war aber selbst das Wissenschaftlerteam überrascht.

 

Im Rahmen der Studien wurden mit über 2.000 Untersuchungsteilnehmer/innen Stadtrundfahrten unternommen, Museen besucht oder Urlaubsszenarien unter Laborbedingungen nachgestellt. Die eine Hälfte der Probanden/innen durfte dabei Fotos aufnehmen, die andere nicht. Anschließend mussten alle Teilnehmer/innen einen Fragebogen ausfüllen, der das Glücksempfinden und die Intensität der Vertiefung in die jeweilige Aktivität erheben sollte.

 

Alle Studien kamen zu demselben Ergebnis: schöne Momente wurden durch die aufgenommenen Fotos noch schöner, die Fotografen/innen hatten mehr Spaß an der Aktivität und waren tiefer darin versunken. Die aktive Hinwendung, das bewusste Wahrnehmen der Motive und die künstlerische Inszenierung erlauben also ein tiefes Eintauchen in den Moment.

 

Um zu überprüfen, ob tatsächlich der Moment intensiver wahrgenommen wird oder ob es nur das Gefühl ist, kam eine Spezialbrille zum Einsatz. Damit zeichneten die Wissenschaftler/innen in Museen auf, welche Exponate betrachtet wurden und wie lange. Fazit: Den Fotografen/innen gefiel nicht nur der Besuch besser, sondern sie verweilten auch länger bei den Objekten (und musterten diese genauer) als ihre Kollegen/innen ohne Kamera. Übrigens, es reicht offenbar schon aus, ein gedankliches Bild der Schönheiten zu "knipsen". Das bewusste Innehalten und die Vorstellung, ein Bild für die Ewigkeit - auch wenn es nur gedanklich ist - festzuhalten, erzeugt ähnliche Glücksgefühle, wie das tatsächliche Fotografieren.

 

Aber Achtung: Zu fotografieren wirkt nicht stets entspannend. Sind wir mit einer Tätigkeit intensiv beschäftigt, ist Fotografieren eher eine Zusatzbelastung. Werden wir außerdem Zeugen unangenehmer Szenarien, würde ein Fotografieren die Stimmung weiter ins Negative kehren. Übrigens, auch ein unmittelbares Verarbeiten oder Löschen der Fotos nach der Aufnahme reduziert empfundene Glücksgefühle.* Nehmen Sie sich daher besser nach dem Urlaub Zeit, um Ihre Fotos zu sichten. Sie kommen auf diese Weise in den Genuss, Ihre Eindrücke der vergangenen Reise wieder zum Leben zu erwecken. Und damit Ihren Urlaub zu "verlängern".

 

Herzlichst, Tamara Nauschnegg

 

 

* Diehl, K., Zauberman, G., Barasch, A.: How Taking Photos Increases Enjoyment of Experiences. IN: Journal of Personality and Social Psychology, 111, 2, 2016, 119-140.

 


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