Machen Sie sich (keine) Sorgen!

 

Sich Sorgen zu machen hat einen denkbar schlechten Ruf. Nicht unbedingt zurecht, wie Forscher/innen unlängst berichteten. Denn Sorgen können uns nicht nur das Leben schwer machen, sondern auch motivationalen Charakter haben, schützende Verhaltensweisen verstärken und uns emotional auf schwierige Ereignisse vorbereiten.

 

Vorauszuschicken ist: Ein gelingendes Leben hängt wesentlich von der Fähigkeit ab, die eigenen Sorgen managen zu können bzw. sich weder zu viele noch zu wenige Sorgen zu machen. Während die meisten Menschen das "Sichsorgenmachen" bis zur Perfektion beherrschen und darunter leiden, sind sich die wenigsten bewusst, dass sich durchaus wertvolle Aspekte dahinter verbergen. Die Psychologieprofessorin Kate Sweeny hat beispielsweise herausgefunden, dass sich zu sorgen mit einer rascheren Erholung nach traumatischen Erlebnissen und Depressionen in Zusammenhang stehen kann, eine flexiblere Vorbereitung und Planung ermöglicht, aber auch zu Aktivitäten anregt, die unsere Gesundheit fördern und Krankheiten verhindern. Zudem scheinen chronisch Sorgengeplagte bei Schulleistungen und am Arbeitsplatz besser abzuschneiden, da sie vermehrt nach (erfolgreichen) Lösungen ihrer Probleme suchen, so die Psychologin.

 

Sorgen sind oft genug übertrieben, können aber auch ein Hinweis sein, dass die Lage tatsächlich ernst ist und eine Reaktion erfordert. Außerdem verhilft sorgenvolles Nachdenken, den Stressfaktor präsent zu halten, was uns wiederum dazu bringt, über Handlungsschritte nachzudenken. Sonnenschutzmittel zur Vorbeugung gegen Hautkrebs aufzutragen und Sicherheitsgurte im Auto zu verwenden sind beispielsweise Ergebnis berechtigter Sorgen. Nicht zuletzt veranlasst uns das unangenehme Gefühl dazu, passende Wege auszuprobieren, um unsere Sorgen zu verringern. Letzteres führt zu dem fast schon paradoxen Umstand, dass Sorgen - sind sie erst einmal überwunden - das allgemeine Befinden beachtlich steigern können. Oder mehr noch: Eine ohnehin schon gute Erfahrung kann an Bedeutung gewinnen, wenn sie einer schlechten folgt. Unsere immense Vorstellungskraft lässt die Sorgen der Zukunft oft so intensiv werden, dass die tatsächliche Reaktion auf das Ereignis als weniger belastend empfunden wird. Oder anders ausgedrückt: Abgesehen von jenen Ereignissen, die tatsächlich jede Vorstellung sprengen, sind die gedanklichen Schreckensszenarien meist unangenehmer als die Realität. Fazit: Auf das Schlimmste gefasst zu sein, lindert im Bedarfsfall tatsächliche Enttäuschungen, verstärkt aber auch die Freude, wenn Umstände doch positiv ausgehen.*

 

Selbstverständlich halte ich Sie an dieser Stelle nicht dazu an, sich mehr Sorgen zu machen. Im Gegenteil. Ich möchte Sie dazu ermutigen, Ihren Sorgen und Ängsten nicht grundsätzlich mit Ablehnung und Panik zu begegnen. Einige davon haben durchaus ihre Berechtigung und können wertvolle Hinweise liefern. Klar ist aber auch, dass ein gesundes Mittelmaß der Weg ist. Allzu unbekümmert oder umgekehrt starr vor Angst zu sein, kann auf Dauer Ihre Lebensqualität einschränken oder schlimmer noch, Sie Ihrer Zukunft berauben. Verurteilen Sie sich nicht für Ihre Sorgen, erlauben Sie sich ein gewisses Maß ganz bewusst, prüfen Sie den Mehrwert und genießen Sie trotzdem das Leben im Hier und Jetzt!

 

Herzlichst, Tamara Nauschnegg

 

 

*Sweeny, K., Dooley, M.: The surprising upsides of worry. IN: Social an Personality Psychology Compass, 11(4), 2017, e12311.

 


Folgende Artikel könnten sie auch interessieren:


Kommentar schreiben

Kommentare: 0