Generalschlüssel der Kommunikation: Wer fragt, gewinnt!

"Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen" war einst schon Albert Einstein überzeugt. Wer sich nicht schämt, nachzufragen und Umstände hinterfragt, führt. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Fragen zu stellen macht uns zu aktiven Zuhörern/innen, inspirierenden Gesprächspartner/innen, sensiblen Verkaufspersönlichkeiten und ganz nebenbei zu reflektierten Menschen.

Gemeinhin gelten Menschen als weise, wenn sie Antworten parat haben. Doch weiß man mittlerweile, dass erst das richtige Fragenstellen zu tatsächlichem Expertentum führt. Je mehr wir wissen, umso mehr Fragen tun sich auf. Oder anders gesagt: Es haben gerade jene Menschen, die viele Antworten kennen, die meisten Fragen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn sie über ihren Schatten springen und nachfragen. Und zwar solange, bis sie Zusammenhänge verstanden haben und diese weitergeben können. Ob aus echtem persönlichen Interesse, aus Neugierde oder aufgrund jobbedingter Verpflichtung: Wer fragt, gewinnt!

 

Fragen werden grundsätzlich offen oder geschlossen gestellt. Geschlossene Fragen können mit Ja oder Nein beantwortet werden, wohingegen offene Fragen dazu anregen, Wissen, Erfahrungen und Befindlichkeiten preiszugeben. Sogenannte W-Fragen - also Was?, Wer?, Wann?, Wo?, Wie?, Warum? - eigenen sich besonders gut dazu, Umstände zu hinterfragen. Aber Achtung: Vermeiden Sie es, mehrere Fragen auf einmal zu stellen, mögliche Antworten bereits vorwegzunehmen und lernen Sie auch Sprechpausen Ihres Gegenübers auszuhalten.

 

Welche Vorteile hat es nun, Fragen zu stellen?

  

  • Informationsgewinn: Werden Menschen nach ihrem Befinden, Neuigkeiten oder Wissen gefragt, fühlen sie sich schnell verstanden oder geschmeichelt und sind gerne dazu bereit, andere an ihrem Seelenleben teilhaben zu lassen oder ihr Wissen weiterzugeben. Es geht an dieser Stelle nicht darum, jemanden auszuspionieren, sondern ein größeres Gesamtbild zu zeichnen. Details besser zu verstehen und sich in beteiligte Personen hineinzuversetzen. Fühlen sich hingegen Menschen tatsächlich ausspioniert - und dafür haben sie generell gute Antennen - verliert man an Vertrauen, bevor man erste Beziehungsbänder knüpfen konnte.

 

  • Vertrauensgewinn: Echtes Interesse wird schnell als solches identifiziert. Es fällt oft leichter, Menschen Vertrauen zu schenken, die sich um Wissen bemühen als jenen, die meinen, alles zu wissen. Zudem lassen sich Konflikte vermeiden, die auf dem Wunsch nach Überlegenheit basieren. Wer zugibt, noch unwissend zu sein, wirkt sympathisch und wird meist mit entgegengebrachtem Vertrauen bzw. einer Wissensweitergabe belohnt.

 

  • Gewinn der guten Gespräche: Wenn wir näher nachfragen, bringen wir Menschen dazu, über sich und ihr Leben zu berichten. Das Gefühl, wir geben ihnen die Möglichkeit über sich und ihre Motive sprechen zu können, führt oft dazu, dass sie Gespräche insgesamt als positiver bewerten, weiß die Forschung. Das heißt, wenn wir wollen, dass sich andere positiv an Gespräche mit uns erinnern sollen, lohnt sich Interesse zu zeigen, nachzufragen und vor allem zuzuhören.

 

  • Perspektivengewinn: Wer nachfragt oder Umstände hinterfragt, erweitert seinen Horizont und lernt neue Blickwinkel kennen. Gute Entscheidungen lassen sich am besten mit einer Mischung aus Weitblick und Detailinformationen treffen. Umgekehrt sagt das Verhalten perspektivenarmer Entscheidungsträger/innen einiges über ihre Urteilsfähigkeit aus.

 

  • Zeitgewinn: Wer fragt, verschafft sich Zeit, neue Argumente zu finden oder Ideen zu entwickeln. Nachzufragen ist in diesem Fall ein strategisches Mittel, wenn die Schlagfertigkeit an ihre Grenzen stößt. Nach einer gedanklichen Verschnaufpause lassen sich - auf Basis der erhaltenen Informationen - bestimmt weitere Argumente finden.

 

  • Gewinn vieler Antworten: Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, Klarheit zu erlangen und Entspannung zu finden. Fragen will es beantwortet wissen und liefert daher beinahe automatisch Antworten auf konkrete Fragen. Wenn Sie nun bei Ihrem Gegenüber nachfragen, wird sein Gehirn unmittelbar nach Antworten und Begründungen suchen.

 

  • Gewinn möglicher Veränderungen: Im besten Fall regen unsere Fragen zum Nachdenken an. Und zwar unsere Mitmenschen, aber auch uns selbst. Unter der Rubrik Ideenschmiede finden Sie meine achtungleben-Impulsfragen, die Ihr Gedankenpendel zum schwingen bringen können.

 

 

Probieren Sie es einfach aus. Fragen Sie bei Unklarheiten nach! Lesen Sie nicht zwischen den Zeilen, sondern erlauben Sie sich, Ihre Wissenslücken zu füllen - und zwar auf Basis von Informationen, nicht Meinungen. Gleiches gilt für Befindlichkeiten. Wir meinen zu wissen, wie sich andere fühlen und doch stecken wir nicht in ihren Schuhen. Fragen Sie vorsichtig nach und beobachten Sie was passiert. Wenn Ihr/e Gesprächspartner/in nicht darüber sprechen möchte, ist das völlig in Ordnung. Aber geben Sie ihr oder ihm zumindest die Möglichkeit dazu. Wie fühlen Sie sich, wenn Ihnen jemand die Gelegenheit schenkt, Ihre Verwirrung oder Ohnmacht in Worte zu fassen? Wenn wir anderen - mit unseren Fragen - die Möglichkeit geben, ihr Gefühlsleben zu verbalisieren, verhelfen wir ihnen indirekt dabei, Kontrolle über die Situation zurückzubekommen. Und das ist auf jeden Fall ein guter Grund nachzufragen.

 

In diesem Sinne, herzlichst

 

Tamara Nauschnegg

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Peter L. (Freitag, 04 August 2017 12:08)

    Gut, und ich dachte, wer fragt verliert... ;-)

  • #2

    Tamara Nauschnegg (Freitag, 04 August 2017 12:44)

    :-D :-D :-D

    Alles eine Frage der Perspektive! Ein schönes Wochenende wünsche ich! :-)