Wäre das Gepäck, das Menschen mit sich tragen, sichtbar, würden wir erkennen...

Lassen wir heute für einen Augenblick Äußerlichkeiten, den Vergleich, Mutmaßungen und Urteile beiseite. Kennen wir unsere Mitmenschen wirklich? Wir reagieren auf ihr Verhalten und sind empört, statt aufmerksam, entnervt, anstatt zuzuhören und drängen sie dann vorschnell in eine Ecke. Was weiß sie/er schon? Wer glaubt sie/er zu sein, um sich so verhalten zu dürfen? Typisch Einzelkind, Frau, Mann, Jugend, Alter, verwöhnt, verbittert, ängstlich, depressiv, etc. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und eines fällt dabei ganz klar auf: Wir fällen ein Urteil, ohne das Gepäck unseres Gegenübers wahrzunehmen.

Treten wir einen Schritt zurück und blicken wir hinter die Fassade. Worüber sprechen die Menschen? Welche Muster wiederholen sie? Was strahlen sie aus? Deckt sich ihr Wort mit ihrem Tun? Wir erfahren über Menschen nur dann etwas, wenn wir nicht automatisch unsere Verteidigungsgeschütze auffahren. Achten Sie auf Signale:

 

- Menschen lenken das Gespräch, sobald sie die Gelegenheit dazu haben. Was sie bewegt, erfahren wir nicht nur zwischen den Zeilen.

- Wenn sich Muster wiederholen, gibt es einen Grund. Vielleicht ist es Schutz? Unsicherheit? Oder das Bedürfnis nach Kontrollierbarkeit?

- Das Innere hinterlässt auch im Gesicht seine Spuren. Charisma lässt sich weder mit Schminke zaubern noch mit einem Lächeln vortäuschen. Umgekehrt kann kein schlechter Tag das innere Licht verdunkeln.

- Menschen, die trotz eigenem Gepäck die Last anderer wahrnehmen, werden darum bemüht sein, ihr Wort und ihr Tun in Einklang zu bringen. Sie wissen, wie wichtig Vertrauen ist und wollen auch dann für Sicherheit sorgen, wenn sie selbst Angst haben.

 

Diese Beispiele stellen eine kleine Auswahl an vereinfachten Signalen dar, die unsere Mitmenschen aussenden. Verständnis ist eine kraftvolle Antwort. Natürlich werden wir auch dann noch Grenzen setzen oder vehement für uns eintreten müssen, aber sind vielleicht respektvoll genug, nicht alles auf die Goldwaage zu legen.

 

Ich wünsche einen geruhsamen Sonntag, an dem Sie das eigene Gepäck getrost im „Flur“ stehen lassen können.

 

Herzlichst, Tamara Nauschnegg

 

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