Maria Steiner über die Entscheidung, glücklich zu sein

Maria Steiner
Maria Steiner

Es gibt Menschen, bei denen man den Eindruck hat, sie haben jedes Mal aufgezeigt und laut „hier“ gerufen, wenn Probleme verteilt wurden. Oft sind es aber auch genau die Menschen, die sich von nichts aus der Bahn werfen lassen, Probleme gar nicht als solche betrachten und eine unglaubliche Zufriedenheit ausstrahlen. Ich könnte jetzt schreiben, dass auch ich in meinem Leben schon viele Probleme hatte, aber ich sehe das nicht so. Es sind einfach gewisse Dinge passiert, mit denen ich mich arrangieren musste. Und aus all diesen Situationen bin ich gestärkt, reifer und vor allem glücklicher hervorgegangen.

Nach diversen Allergien, Neurodermitis und Asthma, die mich schon mein ganzes Leben begleiten (und die ich wahrscheinlich deshalb nie als wirkliche Probleme wahrgenommen habe), sind mir vor zwei Jahren innerhalb kürzester Zeit alle Haare am gesamten Körper ausgefallen. Ein knappes Jahr später die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Mit allen anderen Erkrankungen kann man irgendwie umgehen, es gibt Medikamente, Operationen und alternative Behandlungsmöglichkeiten. Aber was bitte macht man als Frau (die Zeit ihres Lebens immer wunderschöne lange Haare hatte), wenn man plötzlich kein einziges Haar mehr am Körper hat?

 

Nun, mit dieser speziellen Situation geht wahrscheinlich jeder anders um, aber ich möchte euch erzählen, was ich gemacht habe: Ich war beim Frisör, hab mir die verbleibenden langen Strähnen abrasieren lassen, währenddessen natürlich ein paar Tränchen verdrückt, habe mir anschließend zuhause mit einem Nassrasierer die letzten paar Stoppeln abrasiert, mir einen Prosecco aufgemacht und dann ewig in den Spiegel geschaut und versucht, mich darin selbst zu erkennen. Am nächsten Tag habe ich mich in die Öffentlichkeit gewagt, zwar ängstlich und voller Zweifel, aber immerhin, habe viele Fragen gestellt bekommen, aber auch viele Komplimente erhalten, und schön langsam begonnen, mit der neuen Situation immer selbstbewusster umzugehen. Und mit der Zeit habe ich auch erkannt, dass diese neue Situation viel mehr Vorteile als Nachteile hat. Und ja, das meine ich ernst! Abgesehen von der unglaublichen Zeitersparnis, die meine plötzliche Kahlheit mit sich brachte, habe ich auch noch nie zuvor so viele Komplimente bekommen.

 

Warum ich nicht einfach eine Perücke aufgesetzt habe? Nun ja, weil das einfach nicht ich gewesen wäre. Mit einer Perücke hätte ich mich nicht wie ich selbst gefühlt. Ich habe natürlich im Vorfeld viel recherchiert – mit dem Ergebnis, dass man unter einer gekauften Haarpracht extrem schwitzt, es sich kratzig anfühlt und man außerdem ständig Angst hat, dass etwas verrutscht und jeder sehen kann, dass es sich nicht um die eigenen Haare handelt. Da das aber wahrscheinlich jeder anders empfindet, habe ich es natürlich auch selbst ausprobiert. Eineinhalb Jahre nach dem Haarverlust. Am Faschingsdienstag. Und ich war unglaublich erleichtert, als ich die Perücke wieder los war, denn ohne Perücke fühle ich mich frei.

 

Ich war zwar schon immer ein selbstbewusster Mensch, aber trotzdem hätte ich mir natürlich vorher nie vorstellen können, ohne Haare das Haus zu verlassen. Aber besondere Umstände erfordern nun mal besondere Maßnahmen, und deshalb habe ich es einfach darauf ankommen lassen. Und ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil – ich darf jeden Tag aufs Neue erleben, dass die Entscheidung, als Frau ganz bewusst mit Glatze herumzulaufen, absolut richtig war. Immer wieder sprechen mich fremde Menschen an, bewundern mich für meinen Mut, sagen mir, wie schön ich bin und dass ich eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahle. Und das bringt mich auch schon zum nächsten Punkt: Ich werde oft gefragt, warum ich trotz dieser ganzen „Probleme“ glücklich bin und so strahle. Naja, erstens bin ich viel lieber gut gelaunt als schlecht drauf und zweitens hilft Jammern nicht. So einfach ist das! Und ja, auch das meine ich ernst! Unser ganzes Leben besteht aus bewussten Entscheidungen. Natürlich kann ich mich über jedes Problem ärgern, kann den ganzen Tag darüber nachdenken, jammern, mich schlecht fühlen, in ein tiefes schwarzes Loch fallen und darüber grübeln, warum es eigentlich immer mich trifft. Das ganze funktioniert aber auch in die andere Richtung. Ich kann mich jeden Tag dafür entscheiden, glücklich oder unglücklich zu sein. Aber ich kann euch sagen: Glücklichsein macht viel mehr Spaß! Und wie einst schon Buddha sagte: „Es gibt keinen Weg zum Glück, Glücklichsein ist der Weg.“ Dieses Zitat hat mich sehr geprägt und fasst für mich die Weisheiten vieler Bücher in einem Satz zusammen. Natürlich wird es immer Menschen geben, die behaupten, das wäre alles nicht so einfach. Diesen „Ja, aber“-Sagern möchte ich empfehlen, es doch einfach einmal auszuprobieren. Entscheidet euch bewusst fürs Glück. Jeder stößt in seinem Leben von Zeit zu Zeit auf gewisse Schwierigkeiten, aber wenn man Probleme nicht als solche, sondern als Herausforderung betrachtet, kann man sehr viel aus ihnen lernen. Für sich selbst, für sein ganzes Leben. Man möchte doch nicht nur älter, sondern auch ein bisschen weiser werden, oder? Und genau dafür haben wir ein wunderschönes Leben lang Zeit.


Maria Steiner ist eine meiner persönlichen Heldinnen. Sie beweist tagtäglich, wie sehr sich das Schicksal beugen lässt. Sie wählt das Leben und lässt sich durch nichts und niemanden aufhalten. Erobere weiterhin die Welt, liebe Maria! Und herzlichen Dank für dein Vertrauen.