Knapp zu scheitern kann motivieren

Niemand scheitert gerne. Soviel steht fest. Doch dass sich knappes Scheitern durchaus positiv auf unser Verhalten auswirken kann, zeigten jüngst zwei Psychologinnen. Sie stellten fest, dass ein knapper Misserfolg die Motivation nicht verlieren lässt, sondern die Anstrengungsbereitschaft - sogar bei gänzlich anderen Aufgaben - erhöht. In anderen Worten bedeutet das, wer den Erfolg schon fühlen konnte, ist besonders motiviert, einen neuen Versuch zu wagen. Und das selbst bei Aufgaben, die mit der eigentlichen Herausforderung nichts zu tun hatten. Diese gesteigerte Motivation findet sich übrigens nicht, wenn der Erfolg aussichtslos erschien oder das Ziel tatsächlich erreicht wurde, so die Forscherinnen.

In ihrer Studie hatten die Probanden/innen ein Handyspiel zu spielen, welches so programmiert wurde, dass es nicht zu gewinnen war. Je nach Version des Spiels waren die Spieler/innen unterschiedlich erfolgreich. Jene Teilnehmer/innen die den Sieg nur knapp verpasst hatten, zeigten sich bei weiteren Aufgaben sogar motivierter und ehrgeiziger als jene, die zuvor gewonnen hatten. Und selbst komplexere Aufgaben wurden mit der gesteigerten Motivation in Angriff genommen.*

 

Selbstverständlich streben wir Erfolge und nicht knappe Misserfolge an, doch lassen Sie sich von der Idee inspirieren, dass ein Misserfolg nicht zwangsweise eine Niederlage sein muss. Wir sind nach Rückschlägen offenbar in der Lage, einen gesteigerten Ehrgeiz aufzubringen, der uns doch noch Erfolge bescheren kann. Und wie sagt man? Sich selbst zu besiegen ist doch der schönste Sieg.

  

 

* Wadhwa, M., Kim, J. C.: Can a near win kindle motivation? The impact of nearly winning on motivation for unrelated rewards. IN: Psychological Science, 26, 2015, 701–708.

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Diana (Montag, 03 Juli 2017 17:19)

    Da die Studie anhand von Handyspielen durchgeführt wurde, hat sie zum Thema Erfolg wenig Relevanz. Das Spielen spricht nachweislich dopaminerge Strukturen an, welche zum Belohnungssystem gehören. Klar, Erfolg wird auch belohnt, doch dieser Testvorgang beweist lediglich die Suchtgefahr von Spielen, da diese sehr viel einfacher zu handhaben sind.
    Erfolg, auf das alltägliche Leben bezogen, muss um Einiges härter erkämpft werden. Deshalb ist das Gefühl der Niederlage weitaus höher, wenn man kurz vorm Ziel ausgebootet wird. Das wiederum lässt den Dopaminfaktor ins Gegenteil verkehren, da kaum jemand eine Sache, die ihm wichtig ist - was seine Existenz anbelangt -, als Spiel betrachtet oder empfindet.

  • #2

    Tamara Nauschnegg (Donnerstag, 06 Juli 2017 16:27)

    Hallo Diana! Dankeschön für den Input. Ich bin absolut Ihrer Meinung, dass knappe Misserfolge im täglichen Leben weitaus schwerwiegendere Konsequenzen haben als es bei Spielen der Fall ist. Einen ersehnten Job beispielsweise doch nicht zu bekommen, obwohl man bereits unter den besten zwei war, ist hart und lässt unser Gehirn dementsprechend reagieren. Dennoch weiß ich aus beruflicher und privater Erfahrung, dass uns auch knappe Misserfolge motivieren können (von existenzgefährdenden einmal abgesehen). Es beinahe geschafft zu haben, kann auch Auftrieb geben. Eine Idee, die vielleicht im einen oder anderen keimen kann! :-)

    Nochmals DANKE für Ihren Impuls!

    Mit besten Grüßen
    Tamara Nauschnegg